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20. - 22. April 2021 // 2nd Virtual MedtecLIVE

Virtuelle MedtecLIVE und MedtecSUMMIT Newsroom

So sieht SIEMENS Healthineers die Labordiagnostik von morgen

Portraitfoto des Interviewpartners
Interview
Dr. Guido Schütte ist Leiter Labordiagnostik für Zentral- und Westeuropa bei SIEMENS Healthineers. // © SIEMENS Healthineers

In den letzten 12 Monaten hat die medizinische Diagnostik in der Öffentlichkeit stark an Sichtbarkeit gewonnen, steht aber gleichzeitig vor großen Herausforderungen. Dr. Guido Schütte, Leiter Labordiagnostik für Zentral- und Westeuropa bei SIEMENS Healthineers, berichtet im MedtecLIVE-Interview, wie die Labore damit umgehen – und blickt mit uns in die Zukunft.

Herr Schütte, während einige Bereiche im Zuge der Pandemiebekämpfung eine enorme Nachfrage erfahren, sank der Bedarf bei anderen Dienstleitungen. Wie gelingt es den Laboren, flexibel darauf zu reagieren?

Guido Schütte: Er ist richtig, dass mit dem Wegfall von Routineuntersuchungen und „normalen“ ärztlichen Behandlungen auch die Nachfrage nach vielen Tests signifikant abgenommen hat. Allerdings stellen wir fest, dass sich dies langsam wieder ändert. Mit Abnahme der Covid-19-Fallzahlen kehrt auch der Bedarf nach dem breiten Testportfolio der Labore zurück.

Andererseits wiesen die Labore, nachdem die notwendigen Tests zur Diagnose von Covid-19 auf den Markt kamen, teilweise Auslastungen vor, die dem Personal das Äußerste abverlangt haben. Und mit der Therapie besonders von schweren Covid-19-Erkrankungen und der zunehmenden Erkenntnis über die Infektionsverläufe mit ihren teils lebensbedrohlichen Nebenwirkungen nahm auch der Bedarf u.a. nach Tests zu entzündlichen Prozessen wieder zu.

Wie können Hersteller wie Siemens Healthineers in dieser Situation die Labore unterstützen?

Wir haben sehr schnell begonnen, ein Testportfolio zu entwickeln, um unseren Beitrag dazu zu leisten, die Covid-19 Pandemie zu bekämpfen. So bieten wir inzwischen ein umfangreiches Diagnostik-Portfolio zur Unterstützung der Prognose, Behandlung und Nachsorge von COVID-19-Patienten an. Dazu gehören zahlreiche Tests, um schwere Symptome zu erkennen und kritische Covid-19-Patienten besser zu behandeln. Unser breites und differenziertes Testmenü umfasst dabei Antigen-, Antikörper- und molekulare SARS-CoV-2-Tests sowie Panels für die Hämatologie, Gerinnung, Herz-, Atemwegs-, Entzündungs- und Infektionskrankheiten.

Mit Blick auf das breite und weiter wachsende Spektrum gängiger Tests: Welche Ansätze machen den Laboralltag effizienter?

Es sind genau die Themen Digitalisierung und Automatisierung, die maßgeblich zur Effizienzsteigerung beitragen. Dabei gehen die Bestrebungen in mehrere Richtungen: Befreiung des knapp bemessenen Personals von Routineabläufen, die sie von höherwertigen Tätigkeiten rund um die Probenauswertung abhalten, durch die Automatisierung von Routineabläufen im Labor.

Dieser Hebel trägt ebenfalls dazu bei, das Spannungsfeld zwischen zunehmender Nachfrage nach hochwertiger Medizin und begrenzten finanziellen Mitteln zu beherrschen. Hinzu kommt die Qualitätssicherung bei knapper Personaldecke und zunehmendem, teils komplexem Testaufkommen, indem Künstliche Intelligenz die Plausibilisierung von Testergebnissen unterstützt und so Teil der Qualitätssicherung wird.

Welche Herausforderungen erwarten Sie mittelfristig in den nächsten zwei bis fünf Jahren für den Bereich Labordiagnostik? Welche Innovationen und Trends werden wichtig?

Im Grunde genommen sind es die oben bereits beschriebenen Themen Digitalisierung und Automatisierung. Hier sehen wir zukünftig beispielsweise neben der Automatisierung großer Labore auch eine höhere Automatisierung kleinerer Testeinrichtungen bzw. von Stand-alone Analysesystemen. Beim Einsatz künstlicher Intelligenz wird der Fokus zum einen auf der Automatisierung von Prozessen liegen, die derzeit noch menschlichen Zutuns bedürfen, andererseits in Logarithmen, die bei der Qualitätskontrolle Hilfestellung geben. Und selbstverständlich wird es auch bei unserem Testportfolio Ergänzungen geben, um die Diagnose auch seltener Krankheiten zu unterstützen.

Wohin geht die Reise bei personalisierter Medizin?

Hier wird die Molekulardiagnostik eine immer größere Rolle spielen. Mit Technologien wie NGS werden auf das Genom des Patienten abgestimmte Medikationen, beispielsweise in der Krebstherapie oder bei Autoimmunkrankheiten, die Therapie signifikant verändern.

Herr Schütte, Messen und Events wie die MedtecLIVE, aber auch Kundenbesuche müssen pandemiebedingt weiterhin weitgehend ins Digitale verlegt werden. Wie gelingt es Ihnen, unter diesen Bedingungen, Kontakte zu Kunden und Partnern zu pflegen?

Geht es um bereits bestehende Kundenkontakte, sind Telefonkonferenzen inzwischen eine allseits akzeptierte Alternative. Schwieriger ist es bei Erstkontakten, da die persönliche Begegnung durch nichts zu ersetzen ist. Perspektivisch betrachtet glaube ich aber, dass uns die Pandemie gezeigt hat, dass man die Reisetätigkeiten deutlich reduzieren kann, ohne dem Geschäft zu schaden. Vielmehr bedeutet weniger Reisezeit mehr Zeit für konzentriertes Arbeit, weniger Kosten und einen deutlich reduzierten CO2 Footprint.

Dr. Guido Schütte ist Leiter Labordiagnostik für Zentral- und Westeuropa bei SIEMENS Healthineers.

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