23. - 25. Mai 2023 // Nürnberg, Germany

MedtecLIVE with T4M und MedtecSUMMIT Newsroom

Interview mit der Transline Gruppe GmbH, Francesco Falcone, Senior Key Account Manager

Francesco Falcone, Senior Key Account Manager, Transline Gruppe GmbH
Francesco Falcone, Senior Key Account Manager, Transline Gruppe GmbH

MedtecLIVE with T4M: Warum sind Übersetzungen in der Medizintechnik anspruchsvolle Sprachprojekte?

Francesco Falcone: Eine einwandfreie Übersetzung ist gerade in dieser Branche essenziell. Die Bandbreite an Angeboten im Gesundheitswesen hat in den letzten Jahren immer weiter zugenommen, und auch die Internationalisierung gewinnt in der Medizintechnik an Bedeutung. Hier – aber auch in Pharmazie und Biotechnologie – steigen mit der Komplexität auch die Anforderungen. Wir bei Transline können dabei mit unseren Standards nach ISO-Zertifizierung, einem hohen Qualitätsanspruch und breitem Fachwissen überzeugen. All das sorgt für eine verlässliche Übersetzungsqualität.

MedtecLIVE with T4M: Was macht Medizintechnik für Transline besonders spannend?

Francesco Falcone: Für uns ist das Qualitätsbewusstsein der Branche besonders spannend, denn es hat einen hohen Stellenwert, genau wie bei uns. Es ist wichtig, die korrekte Terminologie und ein einheitliches Wording zu verwenden, um Anwenderfreundlichkeit zu garantieren. Das Niveau ist hoch, aber das ist auch essenziell, um eine Fehlverwendung und daraus resultierende Schäden zu vermeiden. Auch die MDR fordert eine korrekte und gut verständliche Übersetzung. Das heißt, dass es zwei Qualitätsprüfungen geben sollte: ein Eigenlektorat durch den Übersetzer selbst und zusätzlich ein Lektorat durch eine zweite Person, die über Übersetzungs- und Sachkompetenzen im jeweiligen Fachgebiet verfügt. Wir empfehlen daher immer eine Übersetzung nach diesem Vier-Augen-Prinzip.

MedtecLIVE with T4M: Übersetzen ist also noch echte Handarbeit?

Ja und nein. Mithilfe von Texterkennungstools verwenden wir bereits übersetzte Texte wieder. Dieses „Recycling“ sorgt zum einen für Konsistenz und Sicherheit, zum anderen spart es Zeit und verkürzt die Lieferfristen. Wir setzen auch KI ein, die bei Schreibweisen oder Interpunktion unterstützt. Und mit unserem „TBlue“ haben wir ein innovatives Kundenportal als Werkzeug, mit dem man bei Transline – teilweise automatisiert – ganz easy Aufträge platzieren und laufende Projekte überwachen kann.

MedtecLIVE with T4M: Das Kundenportal macht Transline einzigartig?
 

Francesco Falcone: Nicht nur. Wir haben bei Transline über 35 Jahre Erfahrung rund ums Übersetzen. Unser Hauptsitz ist in Süddeutschland, dem Herzen der deutschen Medizintechnik. Daher arbeiten wir schon sehr lange mit Medizintechnikunternehmen zusammen, haben genaue Marktkenntnisse und sind gut vernetzt, zum Beispiel im Cluster Medical Mountains. Ein weiterer Punkt ist, dass wir bei Transline den gesamten Lifecycle abdecken können: Ein Produkt wird entwickelt, und wir übersetzen die Unterlagen zur Patentanmeldung, für klinische Studien und alles, was auf das Produkt zukommt, wie zum Beispiel die Zulassung oder eine Softwarelokalisierung. Darüber hinaus arbeiten wir zwar prozessorientiert aber trotzdem sehr persönlich und kundenindividuell. Transline verfügt außerdem über alle relevanten Zertifizierungen, darunter die ISO 17100 und die ISO 13485 für Medizinprodukte.

MedtecLIVE with T4M: Was ist der Nutzen dieser Normen?

Die ISO 17100 regelt das Qualitätsmanagement einer Fachübersetzung. Dazu gehören die beruflichen Qualifikationen von Übersetzern, Revisoren und fachlichen Prüfern. Über diese Standards hinaus ist es Transline aber wichtig, dass die eingesetzten Sprachmittler tatsächlich im jeweiligen Zielland leben und nur in ihre eigene Muttersprache übersetzen. Die ISO 13485 für Medizinprodukte wiederum reguliert die Risikominimierung und den Standard in der gesamten Lieferkette – also auch für technische Dokumentationen und ihre Übersetzung. Unsere Kunden müssen sich auf eine 100 Prozent korrekte Übersetzung verlassen können, denn Ungenauigkeiten in der Übersetzung führen unter Umständen zu Anwendungsfehlern mit Folgen für die Patienten.

MedtecLIVE with T4M: Und welche Rolle spielt die EU-MDR beim Übersetzen?
 

Unsere qualifizierten Fachübersetzer in den Zielländern stellen die sprachliche Konformität mit der MDR in allen 24 EU-Amtssprachen sicher. Aber auch beim Versionsmanagement ist es gerade in Bezug auf die MDR wichtig, dass eine Rückverfolgbarkeit und Nachvollziehbarkeit aller Versionen und Korrekturen gegeben ist. Unser Kundenportal „TBlue“ dokumentiert alle während des Übersetzungsprozesses vorgenommenen Änderungen, egal ob diese durch einen Lektor oder durch den Reviewer einer Landesgesellschaft durchgeführt wurden. In der Historie kann unser Kunde von Anfang alle Produktionsschritte nachvollziehen und erhält am Ende einen Report.

MedtecLIVE with T4M: Warum sollte sich der Kunde für Transline entscheiden statt für einen Übersetzungs-Bot? Oder ist künstliche Intelligenz in der Übersetzung die Zukunft? Sie selbst verwenden ja auch KI.
 

Francesco Falcone: Bei unseren Projekten geht es immer um das Thema Sicherheit. Und letztendlich resultiert aus der MDR, dass eine Übersetzung nach dem Vier-Augen-Prinzip geprüft werden sollte. Vier Augen können mehr als ein Bot, denn der übersetzt nicht zuverlässig fehlerfrei, und Präzision ist bei medizintechnischen Texten das A und O. Maschinelle Übersetzungstools haben keine Fachkompetenz, und man fühlt sich auch weniger angesprochen, merkt sehr schnell, dass die Übersetzung nicht rund ist. Wir nutzen KI, die zusätzlich zum Vier-Augen-Prinzip eingesetzt wird. Dabei geht es aber mehr um formale Vorgaben. Die Entscheidungen der KI werden außerdem im Nachgang von den Übersetzern nochmals geprüft. So lernt das System, wenn es etwas falsch gemacht hat. Für interne Themen nutzen wir maschinelle Vorübersetzung, die dann aber nicht relevant für die Anwendung und Vermarktung des Produkts ist. Die Kernbereiche im Produktlebenszyklus sollten ausnahmslos nach dem Vier-Augen-Prinzip übersetzt werden.

MedtecLIVE with T4M: Wie entwickelt sich Ihr Markt in der Zukunft?


Francesco Falcone: Die Digitalisierung nimmt immer weiter zu, die Anforderungen steigen, technische Geräte benötigen zunehmend Embedded Software, die übersetzt werden muss. Der Übersetzungsbedarf wird also steigen, vor allem auch im Bereich Software, Apps, Software as a Medical Device, E-Health. Speziell für diesen Bereich haben wir ein eigenes Team, das sich rein um Softwareübersetzung kümmert und beispielsweise auch ein Usability-Testing durchführt. Dabei wird geprüft, ob das Wording auch im Kontext und finalen Layout stimmig und nutzerfreundlich ist.

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