Wir müssen über Kunststoff reden!
«Kunststoffbehälter und Frischhaltefolie enthalten BPA»: In einem kürzlich auf 20min.ch erschienenen Artikel rät die Autorin pauschal davon ab, Lebensmittel in Kunststoffbehältern und -folien aufzubewahren.
Die Berichterstattung reiht sich ein in das negativ geprägte Bild von Kunststoff in den Medien. Dass Frischhaltefolie BPA enthält, ist eine Falschaussage. Ausserdem gibt es zahlreiche lebensmittelechte Kunststoffvarianten für Vorratsbehälter – das ist uns (in der Branche) allen klar.
Leider aber gelangen fachlich fundierte Informationen zu wenig in die Öffentlichkeit; selbst politische Entscheide basieren nicht selten auf Halbwissen. Schlagwörter wie «Plastikkrise» und Aufrufe zu einer «Zukunft ohne Plastik» suggerieren, Kunststoffe seien per se ein Problem. Das Gegenteil ist der Fall: Richtig eingesetzt, sind sie vielfach das Material der Wahl – nicht nur aus technischer und ökonomischer Sicht, sondern auch, was den Umweltschutz betrifft.
Öffentlichkeitsarbeit kann Kunststoff wieder jenes Image verschaffen, das ihm gerecht wird. Wir müssen daher immer wieder aufzeigen, wie und wo sich Kunststoffe sinnvoll einsetzen lassen. Zum Beispiel, wenn sie Metalle ersetzen und materialintensive Konstruktionen leichter machen oder Bauteile von besonders langer Lebensdauer ermöglichen. Andere Beispiele sind die Dekarbonisierung der Erdatmosphäre durch CO2-basierte Kunststoffe und die zunehmend geschlossenen Materialkreisläufe mit steigender Recyclingquote. Auch hier kommt es immer wieder zu bahnbrechenden Entwicklungen. So hat ein Forschungsteam der Georg- August-Universität Göttingen beispielsweise ein Verfahren entwickelt, mit dem sich Polystyrol nicht nur kostengünstig rezyklieren lässt, sondern mit dem sogar wertvoller Wasserstoff als Nebenprodukt anfällt.
Kunststoffe sind faszinierend, wichtig und wertvoll. Wir sollten mehr über sie reden – auch mit Menschen ausserhalb unserer Blase.
Raphael Hegglin, Redaktor
r.hegglin@sigimedia.ch
Editorial in der Fachzeitschrift KunststoffXtra