„Wir stehen erst auf der ersten Treppenstufe“
Zentrale Impulse aus dem Podcast "Mehr Einsatz wagen" zur Zukunft der Medizintechnik – und zur MedtecLIVE
Was passiert eigentlich gerade wirklich bei der digitalen Transformation des Gesundheitswesens?
Diese Frage steht im Mittelpunkt einer aktuellen Folge des Podcasts „Mehr Einsatz wagen“, in der Host Prof. Tobias Gantner mit Dr. Meinrad Lugan, langjähriger Vorstand der B. Braun SE und Vorstandsvorsitzender des BVMed, spricht.
Damit diskutieren die beiden Medizintechnik-Experten über ein Thema, das auch auf der MedtecLIVE viel Raum einnehmen wird – wie verändert sich durch den Einfluss digitaler Technologien das Gesundheitswesen und damit auch die Anforderung an Anbieter medizintechnischer Geräte und ihre Zulieferer?
Beide Podcast-Protagonisten treffen sich auf der MedtecLIVE, die vom 5. bis 7. Mai in Stuttgart stattfindet, zum persönlichen Dialog über die Herausforderungen und Chancen der Medizintechnik in den kommenden Jahren: Mit Dr. Meinrad Lugan und weiteren Fachleuten spricht Prof. Tobias Gantner nach seiner Keynote „Der Zukunftsröntgenblick: Was Medtech-Zulieferer und Hersteller morgen können müssen“.
Im Podcast liegt der Fokus auf den sich wandelnden Anforderungen im Gesundheitswesen durch digitale Innovationen.
Digitale Transformation: Viel Rede, wenig Klarheit?
Schnell wird im Gespräch klar, dass digitale Transformation in der Medizintechnik weniger weit fortgeschritten ist, als viele Debatten vermuten lassen. Trotz Künstlicher Intelligenz, Sensorik und vernetzter Systeme beschreibt Dr. Lugan den Status nüchtern als frühe Phase – bildlich gesprochen als erste Treppenstufe einer längeren Entwicklung.
Diese Einschätzung relativiert gängige Erwartungen. Digitalisierung folgt in der Medizintechnik keinem Masterplan, sondern entsteht dort, wo funktionale Probleme schrittweise gelöst werden.
Innovation beginnt oft außerhalb der Unternehmen
Ein zentrales Motiv des Podcasts ist die Beobachtung, dass einige der wirkungsmächtigsten digitalen Innovationen nicht innerhalb klassischer industrieller Entwicklungslogiken entstanden sind. Das Beispiel der Diabetesversorgung zeigt diese Verschiebung besonders deutlich.
Was heute als Closed‑Loop‑System etabliert ist, begann als praxisnahe Kombination einzelner Technologien durch Betroffene selbst. Erst, nachdem diese Ansätze funktionierten, folgten industrielle Produktisierung und regulatorische Integration.
Wenn Information allgegenwärtig wird, ändert sich ärztliches Arbeiten
Ein weiterer Schwerpunkt des Gesprächs betrifft die Rolle der Ärzteschaft im digitalen Umfeld. Informierte Patientinnen und Patienten, algorithmische Bewertungen und kontinuierliche Datenerhebung verändern Erwartungen und Interaktionen.
Dr. Lugan ordnet diesen Wandel nicht als Autoritätsverlust ein, sondern als Verschiebung von Kompetenzschwerpunkten. Während abrufbares Wissen an Bedeutung verliert, gewinnen Anwendung, Interpretation und Verantwortung an Gewicht.
Telemedizin heißt nicht Videokonferenz
Statt bei pandemiebedingten Erfahrungen stehenzubleiben, erweitert das Gespräch den Blick auf Telemedizin deutlich. Im Fokus stehen strukturverändernde Effekte: neue Aufgabenverteilungen, unterstützende Algorithmen, softwaregestützte Diagnostik.
Der Podcast beschreibt Telemedizin damit als Systemfrage, nicht als Kommunikationsformat. Für Medizintechnikunternehmen bedeutet das, Technik zu entwickeln, die über Einzelanwendungen hinaus funktioniert und mehrere Berufsgruppen einbindet.
Medizintechnik kommt näher an den Menschen heran
Ein wiederkehrender Gedanke des Gesprächs ist die zunehmende Körpernähe medizintechnischer Anwendungen. Sensoren, implantierbare Systeme und mobile Endgeräte ermöglichen eine kontinuierliche Datenerhebung jenseits klassischer Behandlungssituationen.
Im Podcast werden Beispiele aus Kardiologie, Neuromodulation und Bluthochdrucktherapie genannt – Felder, in denen Medizintechnik nicht isoliert wirkt, sondern als Zusammenspiel aus Hardware, Software und Datenanalyse.
Technische Machbarkeit verlangt medizinische Zurückhaltung
Das Gespräch blendet kritische Aspekte nicht aus. Insbesondere im Kontext von Self-Tracking und Longevity betont Dr. Lugan die Verantwortung der Branche: Nicht jede Messung führt zu einer sinnvollen Handlung.
Informationen ohne therapeutische oder präventive Konsequenz können Verunsicherung erzeugen – ein Punkt, der gerade bei digitalen Produkten sorgfältig bedacht werden muss.
Für die Medizintechnik ist diese Abwägung zentral, weil sie Vertrauen, Akzeptanz und langfristige Nutzung beeinflusst.
Datenzugang als Engpass für Innovation
Zum Ende des Podcasts weitet sich der Blick auf strukturelle Bedingungen. Besonders für mittelständische Anbieter stellt der eingeschränkte Zugang zu klinischen Daten eine zentrale Hürde dar – gerade bei datengetriebenen Produkten.
Gleichzeitig beschreibt Dr. Lugan die Bedeutung von Netzwerkeffekten: Systeme lernen schneller, wenn sie früh breite Anwendung finden. Daraus entsteht ein Spannungsfeld, das europäische Medizintechnik prägt.
Der Podcast unterstreicht, wie wichtig eine zentrale Dialogplattform zum Austausch innerhalb der Medizintechnikbranche ist. Entsprechend gewinnt die MedtecLIVE an Bedeutung als Raum für nutzerzentrierte, offene und integrierbare Ansätze in der Medizintechnik, bei denen Bedienbarkeit, Systemfähigkeit und Kooperation zentrale Qualitäts- und Erfolgsfaktoren sind. Dabei steht nicht das fertige Endprodukt im Fokus, sondern der aktuelle Entwicklungsstand von Lösungen, Technologien und Systemen.
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Hier gelangen Sie zum Podcast "Mehr Einsatz wagen" (Youtube).